Buzz von Block einfach erklärt: Ist das die Open-Source-Alternative zu Slack?

Buzz sieht auf den ersten Blick wie ein neuer Team-Messenger aus. Doch Block will damit mehr bauen als eine offene Kopie von Slack: einen gemeinsamen Arbeitsraum, in dem Menschen und KI-Agenten als eigenständige Teammitglieder auftreten. Die Idee ist spannend, die Software aber noch sichtbar am Anfang.

Die Kurzantwort

Ist Buzz eine Open-Source-Alternative zu Slack?

Ja, aber diese Beschreibung greift zu kurz.

Buzz besitzt vieles, was man von Slack oder Microsoft Teams kennt: Kanäle, Threads, Direktnachrichten, Sprachfunktionen, geteilte Medien und eine Suche. Der Quellcode ist öffentlich, die Software steht unter der Apache-2.0-Lizenz und ein Unternehmen kann den zugehörigen Server selbst betreiben.

Der entscheidende Unterschied liegt jedoch bei der künstlichen Intelligenz. In Slack wird ein Bot meist wie ein zusätzliches Werkzeug aufgerufen. In Buzz soll ein KI-Agent eher wie ein eigener Mitarbeiter behandelt werden. Er bekommt eine eigene digitale Identität, wird nur in bestimmte Räume aufgenommen und kann dort zum Beispiel Nachrichten beantworten, Informationen suchen, Arbeitsabläufe ausführen oder Programmcode prüfen.

Block beschreibt Buzz deshalb als offenen Arbeitsraum für Menschen und KI-Agenten, nicht bloß als Chatprogramm. Unterstützt werden sollen unterschiedliche Modelle und Agentensysteme, darunter Claude Code, Codex und goose. Buzz bindet den Nutzer also nicht an einen einzigen KI-Anbieter. (Ankündigung von Block)

Buzz als digitales Büro gedacht

Am einfachsten lässt sich Buzz mit einem Büro vergleichen.

Bei Slack mietet ein Unternehmen ein fertiges digitales Büro. Slack besitzt und betreibt das Gebäude. Mitarbeiter erhalten Konten, betreten verschiedene Räume und nutzen bei Bedarf zusätzliche Apps oder Bots.

Bei Buzz ist der Bauplan des Büros öffentlich. Man kann ein von Block betriebenes Gebäude beziehen oder mit entsprechendem Fachwissen ein eigenes errichten. Menschen und KI-Agenten bekommen jeweils einen eigenen Ausweis. Der Ausweis legt nicht automatisch fest, was jemand darf. Erst die Aufnahme in einen Raum gewährt Zugang zu dessen Inhalten.

Das macht die Grundidee von Buzz verständlicher:

  • Die Buzz-App ist die Eingangstür und die Benutzeroberfläche.
  • Eine Community ist das gemeinsame Büro eines Teams.
  • Kanäle sind die einzelnen Besprechungsräume.
  • Der Relay ist Server, Poststelle und Archiv zugleich. Dort liegen Nachrichten, Mitglieder, Regeln und Arbeitsabläufe einer Community.
  • Ein Schlüsselpaar ist der digitale Ausweis eines Menschen oder Agenten. Der öffentliche Schlüssel darf weitergegeben werden. Der private Schlüssel ist die geheime Unterschrift und darf niemals geteilt werden.
  • Nostr ist das offene Regelwerk, nach dem Identitäten und signierte Nachrichten zwischen App und Relay funktionieren.

Was hat Nostr damit zu tun?

Nostr ist ein offenes Kommunikationsprotokoll. Ein Protokoll kann man sich wie eine gemeinsame Sprache vorstellen. Wenn verschiedene Programme dieselbe Sprache beherrschen, können sie grundsätzlich miteinander kommunizieren.

Jeder Teilnehmer besitzt bei Nostr ein kryptografisches Schlüsselpaar. Mit dem privaten Schlüssel unterschreibt er seine Aktionen digital. Andere Teilnehmer können anhand des öffentlichen Schlüssels prüfen, von wem eine Nachricht stammt und ob sie nachträglich verändert wurde.

Das ist besonders für KI-Agenten interessant. Ein Team kann nachvollziehen, welcher Mensch oder welcher Agent eine Nachricht geschrieben, eine Freigabe erteilt oder einen Arbeitsablauf gestartet hat. Der Agent muss dafür nicht unter dem Konto eines Mitarbeiters handeln.

Zwei Missverständnisse sollte man vermeiden:

  1. Buzz ist keine Blockchain und besitzt keine eigene Kryptowährung. Die digitalen Unterschriften benötigen weder Token noch Mining.
  2. Buzz ist nicht serverlos. In der derzeitigen Architektur verbindet sich eine Community mit einem bestimmten Relay. Dieser Relay ist innerhalb des Arbeitsraums die zentrale Quelle für Nachrichten und andere Ereignisse. Dezentral ist vor allem die Wahlmöglichkeit: Block kann den Relay betreiben, ein Unternehmen kann aber auch einen eigenen betreiben. (Technische Architektur, Erklärung im Buzz-Repository)

Buzz ist damit besser als offen und selbst betreibbar beschrieben, nicht als magisches Netzwerk ohne zentrale Stellen.

Was kann Buzz heute schon?

Nach Angaben des Projekts funktionieren bereits unter anderem:

  • Kanäle, Threads und Direktnachrichten
  • private Räume
  • Medien, Suche und gemeinsame Arbeitsflächen
  • ein Aktivitäts- und Prüfprotokoll
  • die Desktop-App für macOS, Windows und Linux
  • automatisierte Abläufe, die durch Nachrichten, Reaktionen, Zeitpläne oder Webhooks ausgelöst werden
  • erste Git-Ereignisse für die Arbeit an Software
  • die Anbindung von Agentensystemen wie goose, Codex und Claude Code

Andere Teile sind noch im Aufbau. Dazu zählen laut Projektübersicht die mobilen Apps, Freigabeschritte für automatisierte Abläufe, Push-Mitteilungen und ein vollständigeres Git-Hosting. Block selbst nennt die Git-Integration ausdrücklich noch früh. (Projektübersicht, Ankündigung von Block)

Das ist eine wichtige Grenze: Buzz ist noch kein fertiger Ersatz für Slack, Teams und GitHub. Es ist der frühe Versuch, Funktionen dieser Werkzeuge auf einer gemeinsamen offenen Grundlage zusammenzuführen.

Zum Zeitpunkt dieses Artikels trägt die aktuelle Desktop-Version die Nummer 0.4.22. Schon die Versionsnummer unter 1.0 und die Warnhinweise des Projekts zeigen: Mit Fehlern, Änderungen an der Bedienung und unfertigen Funktionen muss gerechnet werden. (Aktuelle Versionen)

Slack und Buzz im direkten Vergleich

Frage Slack Buzz
Was steht im Mittelpunkt? Kommunikation zwischen Menschen, ergänzt um Apps und Bots Zusammenarbeit von Menschen und eigenständigen KI-Agenten
Ist der Quellcode offen? Nein Ja, Apache 2.0
Wer betreibt den Server? Slack Wahlweise Block oder der Nutzer selbst
Wie treten KI-Systeme auf? Meist als App, Bot oder Assistent Als Teilnehmer mit eigener Identität und eigenen Raumzugängen
Wie ausgereift ist das Produkt? Etablierter Produktivdienst Frühe Software vor Version 1.0
Wofür ist es heute geeignet? Laufender Firmenbetrieb Experimente, Pilotprojekte und technisch interessierte Teams

Wer einfach nur einen zuverlässigen Firmenchat sucht, bekommt bei Slack derzeit das reifere Produkt. Wer ausprobieren möchte, wie ein Team künftig mit mehreren KI-Agenten arbeiten könnte, findet in Buzz den interessanteren Ansatz.

Ein Beispiel ohne Fachbegriffe

Stellen wir uns einen kleinen Onlineshop vor. Im Buzz-Arbeitsraum befinden sich drei Menschen und zwei KI-Agenten.

Der erste Agent darf nur den Kanal für Kundenfragen lesen. Dort fasst er häufige Probleme zusammen und entwirft Antwortvorschläge. Der zweite Agent sitzt im Technikkanal. Er beobachtet Fehlermeldungen, durchsucht frühere Diskussionen und schlägt mögliche Ursachen vor. Keiner der beiden Agenten bekommt automatisch Zugang zu Buchhaltung oder Personalthemen.

Wenn der Technik-Agent einen Vorgang startet, erscheint das unter seiner eigenen Identität. Das Team sieht dadurch nicht nur das Ergebnis, sondern auch, wer etwas ausgelöst hat. Genau diese Kombination aus gemeinsamem Kontext, begrenztem Zugang und nachvollziehbaren Aktionen ist das eigentliche Versprechen von Buzz.

In der Praxis hängt der Nutzen allerdings davon ab, wie gut die Agenten eingerichtet sind und auf welche Werkzeuge sie zugreifen dürfen. Buzz stellt den Arbeitsraum bereit. Das passende KI-Modell, dessen Kosten und eine sichere Konfiguration verschwinden dadurch nicht.

Der wichtige Haken bei Datenschutz und Sicherheit

Open Source bedeutet nicht automatisch, dass jede Nutzung privat oder verschlüsselt ist.

Bei einer von Block gehosteten Community sind Nachrichten, Direktnachrichten und hochgeladene Medien nach der derzeitigen Support-Dokumentation nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Block kann auf Inhalte zugreifen, wenn dies für Betrieb, Sicherheit, Moderation oder rechtliche Pflichten notwendig ist. Auch Teilnehmer und Agenten mit Zugang zum jeweiligen Raum können dessen Inhalte lesen. (Buzz Support)

Wird ein externer KI-Anbieter eingebunden, können Eingaben und für die Aufgabe relevante Kanalinhalte an diesen Anbieter übertragen werden. Die Datenschutzrichtlinie nennt hierfür beispielhaft OpenAI und Anthropic. (Datenschutzrichtlinie von Buzz)

Ein privater Kanal ist eine Zugangsbeschränkung, keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Für den ersten Test gehören deshalb keine Kundendaten, Passwörter, privaten Dokumente, unveröffentlichten Geschäftszahlen oder vertraulichen Quellcodes in Buzz.

Ein selbst betriebener Relay bietet mehr Kontrolle über die gespeicherten Daten. Sobald ein externes KI-Modell verwendet wird, können Inhalte aber trotzdem an dessen Betreiber fließen. Selbsthosting ersetzt deshalb keine Prüfung der gesamten Datenkette.

Leitfaden: So können Laien Buzz gefahrlos testen

Praxistest unter Windows: Installation endet in einer Sackgasse

Unser Test unter Windows 11 zeigte bereits beim Download die erste Hürde. Block stellt für Windows 0.4.22 nur die Datei Buzz_0.4.22_x64-setup_alpha-unsigned.exe bereit. „Unsigned“ bedeutet, dass das Installationsprogramm nicht digital signiert ist. Microsoft Edge und Windows können den Herausgeber deshalb nicht automatisch bestätigen und zeigen deutliche Sicherheitswarnungen. Das ist noch kein Nachweis für Schadsoftware, erschwert aber gerade Laien die sichere Einordnung. Die Datei sollte ausschließlich aus der offiziellen Veröffentlichung von Block geladen und vor dem Öffnen mit Microsoft Defender geprüft werden.

Nach der Installation blieb die Einrichtung auf der Seite „Set up your agent harnesses“ stehen. Buzz erkannte Codex, konnte den benötigten Adapter aber nicht installieren. „Installation failed“ erschien, während die Schaltfläche „Next“ gesperrt blieb. Dieses Verhalten ist kein individueller Bedienungsfehler: Im offiziellen Projekt ist für Windows 11 und Buzz 0.4.22 genau dieser Fehler gemeldet. Er kann sogar auftreten, wenn Codex und Claude Code bereits separat installiert sind. (Offener Windows-Fehler #2343)

Ein weiteres Ticket beschreibt Probleme bei der Suche nach Node.js und dem Codex-Adapter innerhalb der von Buzz verwendeten Windows-Umgebung. Dort wird zwar ein manueller Workaround genannt, bei dem Programmdateien in das Buzz-Verzeichnis kopiert werden. Das ist jedoch keine offizielle Fehlerbehebung und für Laien nicht empfehlenswert. (Windows-Fehler #2342)

Ergebnis unseres Praxistests: Buzz 0.4.22 ließ sich unter Windows 11 zwar installieren, aber nicht vollständig einrichten. Der Test endete noch vor dem eigentlichen Arbeitsraum. Für einen unkomplizierten Einstieg durch Laien ist diese Windows-Version derzeit nicht geeignet.

Schau dir alternativ einfach dieses Video an, um zu erfahren was Buzz kann und was damit alles möglich ist

Warum Selbsthosting für Laien noch keine gute Idee ist

„Open Source“ und „selbst betreibbar“ klingen zunächst nach einem einfachen Download. Tatsächlich besteht Buzz aber aus mehr als der Desktop-App. Für einen eigenen Betrieb braucht man auch den Relay und weitere technische Dienste.

Die offizielle Entwickleranleitung setzt unter anderem Docker sowie zusätzliche Entwicklungswerkzeuge voraus. Installation, Updates, Datensicherung, Verschlüsselung der Verbindung und Absicherung des Servers liegen dann in der eigenen Verantwortung. Das ist mit einem selbst betriebenen E-Mail-Server vergleichbar: Mehr Kontrolle bedeutet auch mehr Arbeit und mehr Möglichkeiten für Fehler.

Für kleine Unternehmen ohne eigenen Administrator ist die gehostete Testversion daher der sinnvollere Einstieg. Selbsthosting wird erst interessant, wenn ein konkreter Datenschutzgrund vorliegt und jemand den Betrieb dauerhaft übernehmen kann.

Warum Buzz für Block strategisch interessant ist

Buzz wirkt derzeit weniger wie ein fertiges neues Umsatzprodukt und mehr wie eine strategische Wette.

Buzz verbindet mehrere Motive, die Block in seiner Ankündigung hervorhebt: offene Protokolle, selbst kontrollierte Identitäten, frei verfügbare Software und KI-Agenten. Nostr liefert dafür die technische Grundlage. Wenn sich die Arbeit tatsächlich von einzelnen KI-Chatfenstern hin zu dauerhaft anwesenden Agenten verschiebt, wird der gemeinsame Arbeitsraum zu einer wichtigen Infrastrukturschicht.

Block versucht, diese Schicht offen zu definieren, bevor sie vollständig von Microsoft, Salesforce, Google oder anderen Plattformbetreibern besetzt wird. Ob daraus später ein tragfähiges Geschäft entsteht, ist offen. Für die gehostete Variante ist bislang kein langfristiges Preismodell angekündigt.

Für Beobachter von Block ist Buzz deshalb relevant, obwohl das Projekt heute noch keine erkennbare Bedeutung für Umsatz oder Gewinn hat. Es zeigt, wo Block die nächste Form digitaler Zusammenarbeit vermutet.

Fazit

Buzz ist eine Open-Source-Alternative zu Slack, aber noch kein gleichwertiger Ersatz.

Die vertraute Messenger-Oberfläche ist nur der Einstieg. Die eigentliche Idee lautet: Menschen, KI-Agenten, Arbeitsabläufe und später auch Programmcode sollen in demselben offenen System zusammenarbeiten. Jeder Teilnehmer besitzt eine eigene Identität, Zugänge werden über Räume begrenzt und Aktionen bleiben nachvollziehbar.

Das Konzept ist bemerkenswert. Der heutige Stand ist es ebenfalls, allerdings aus einem anderen Grund: Buzz befindet sich noch vor Version 1.0, wichtige Funktionen sind unfertig und die Einrichtung von Agenten kann Laien überfordern. Hinzu kommen klare Datenschutzgrenzen bei der gehosteten Version.

Wer Buzz heute ausprobiert, sollte es daher wie einen Prototyp behandeln: mit erfundenen Daten, einem kleinen Testkanal und ohne Verbindung zu echten Geschäftssystemen. So erhält man einen guten Blick darauf, wie Teamarbeit mit KI-Agenten künftig aussehen könnte, ohne ein unfertiges Produkt mit der eigenen digitalen Infrastruktur zu verwechseln.

Offizielle Quellen